Klagenfurt – Sauberes Wasser, frische Luft, gesunde Böden und intakte Naturräume sind die Grundlage für Gesundheit, Lebensqualität und eine nachhaltige regionale Entwicklung. Diese Zusammenhänge standen am 29. April im Mittelpunkt der Ringvorlesung „Biodiversität und Gesundheit im Anthropozän – Was intakte Ökosysteme für Immunsystem, Klima und soziale Stabilität leisten“ im kärnten.museum. Die Veranstaltung zeigte auf, warum Umweltschutz nur im Dialog mit Wissenschaft, Gemeinden, Landwirtschaft, Tourismus und Wirtschaft gelingen kann.
„Unsere Natur ist einer der größten Schätze Kärntens. Intakte Ökosysteme schützen Wasser, Böden, Luft und damit auch unsere Gesundheit. Deshalb ist Umweltschutz immer auch Gesundheitsschutz. Mir ist wichtig, sorgsam mit der Natur umzugehen und gleichzeitig die Lebensrealitäten in den Regionen ernst zu nehmen. Es geht nicht um Schlagworte, sondern um Verantwortung, konkrete Maßnahmen und ein gutes Gleichgewicht zwischen Schutz und dem, was in Gemeinden und Regionen realistisch umsetzbar ist“,
betont LRin Lagger-Pöllinger.
Der Landesrätin ist bewusst, dass Natur- und Umweltschutz immer wieder in Spannungsfeldern steht – etwa zwischen Schutz und Nutzung, regionaler Entwicklung und wirtschaftlichen Interessen. Gerade deshalb brauche es einen sachlichen Zugang und tragfähige Lösungen. Als regionales Beispiel verweist Lagger-Pöllinger auf den Nationalpark Hohe Tauern: Er zeige, wie Schutz, Forschung, Bildung, regionale Identität und Naturerlebnis und regionale Wertschöpfung zusammenwirken können.
„Der Nationalpark Hohe Tauern macht sichtbar, welchen Wert intakte Naturräume für Kärnten haben – ökologisch, gesellschaftlich und für das Bewusstsein der Menschen“,
unterstreicht die Naturschutz- und Umweltreferentin.
Die Ringvorlesung sei ein wichtiger Beitrag, um fachliche Expertise sichtbar zu machen, Zusammenhänge besser zu verstehen und Menschen für Umwelt- und Naturschutz zu sensibilisieren. Das interaktive Dialogformat – moderiert von Sabine Seidler – brachte dazu eine hochkarätige Diskussionsrunde mit Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, Anthropozänforscher Michael Wagreich, Humangeographin Martina Blank, Nationalparkdirektorin Barbara Pucker sowie Claudia Dojen vom kärnten.museum zusammen.
„Gesundheit und Biodiversität sind enger miteinander verknüpft, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint. Der Erhalt biologischer Vielfalt ist nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern grundlegende Voraussetzung für unsere physische und psychische Gesundheit sowie für gesellschaftliche Resilienz. Auch wenn die Zusammenhänge mit unserer Gesundheit nicht immer offensichtlich sind: Biodiversität geht uns alle an“,
so Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.
Geologe Michael Wagreich verwies auf die globalen Dimensionen menschlicher Eingriffe:
„Unser Planet nähert sich immer schneller seinen Belastungsgrenzen. Ein sechstes Massenaussterben beginnt – noch können wir es aufhalten und zu einer positiven Kraft für die Ökosysteme des Planeten werden.“
Humangeographin Martina Blank lenkte den Blick auf gesellschaftliche Fragen:
„Biodiversität trägt wesentlich zur körperlichen und psychischen Gesundheit bei. Gleichzeitig ist der Zugang zu biodiversem Raum ungleich verteilt. Biodiversität ist damit auch Gegenstand von Auseinandersetzungen um Raum, in denen grundlegende gesellschaftliche Fragen von Eigentum und Macht verhandelt werden.“
Barbara Pucker, Direktorin des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten, hob die Rolle von Schutzgebieten hervor:
„Je vielfältiger und lebendiger die Biodiversität im Nationalpark ist, desto stabiler und widerstandsfähiger sind unsere natürlichen Lebensräume. Diese Vielfalt entfaltet ihre Wirkung weit über die Natur hinaus zu uns Menschen: Sie inspiriert uns, eröffnet neue Perspektiven und unterstützt uns dabei, den Blick vom Negativen hin zu positiven Gedanken zu lenken. Nachhaltigkeit bedeutet deshalb nicht nur den Schutz unserer Umwelt, sondern trägt auch wesentlich zu unserem persönlichen Wohlbefinden und zur mentalen Gesundheit bei“.
Claudia Dojen vom kärnten.museum erläuterte die Bedeutung von Vermittlung und Bewusstseinsbildung:
„Museen sind heute eine wesentliche Schnittstelle zwischen Forschung und Gesellschaft. Für eine biologische Vielfalt und Klimaschutz einzustehen bedeutet für das kärnten.museum, Nachhaltigkeit, bewussten Umgang mit Ressourcen und gesellschaftspolitische Verantwortung in den Vordergrund zu stellen.”
„Wer hinschaut und versteht, ist auch eher bereit, Verantwortung zu übernehmen. Genau diese Bewusstseinsbildung ist notwendig – in der Politik, in den Gemeinden und im Alltag“,
so LR.in Lagger-Pöllinger abschließend.
Die Ringvorlesung Anthropozän wird bereits zum sechsten Mal in Kooperation mit der Universität Wien und dem Vienna Anthropocene Network (VAN) durchgeführt. Highlight der Online-Reihe ist die live Veranstaltung im kärnten.museum. Wie jedes Jahr begleitet sie das Forum Anthropozän, das heuer zum neunten Mal im Nationalpark Hohe Tauern ausgetragen wird und vom 11.-13. Juni 2026 unter dem Leitthema „CONNECTEDNESS. ZUKUNFTSVERBUNDEN. Nationalparks im Anthropozän“ steht.
Quelle: LPD Kärnten